Tora, Tanach und Talmud – die heiligen Schriften des Judentums

historisches Foto eines Juden mit Tora

Im Judentum gibt es drei heilige Schriften: Tora, Tanach und Talmud. In ihnen sind überlieferte Texte, grundlegende Erzählungen und Glaubensgrundsätze und Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben festgehalten.

Die Tora

Die Tora, auch Thora oder Torah geschrieben (Hebräisch: „Gesetz“, „Lehre“), ist das zentrale Buch und die religiöse Quelle des Judentums. Der Überlieferung nach wurde die Tora Moses von Gott auf dem Berg Sinai offenbart. Sie umfasst die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel (Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium). Im Griechischen ist sie auch als Pentateuch bekannt, was „fünf Schriftrollen“ bedeutet. Die Tora ist ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben und Leser*innen müssen über sehr gute Sprachkenntnisste verfügen, um den Text verstehen und interpretieren zu können.

Die Tora gilt als der heiligste Text des Judentums, sie enthält die grundlegenden Erzählungen des Judentums, darunter die Erschaffung der Welt, die Patriarchen und Matriarchen, den Auszug aus Ägypten und die Übergabe des Gesetzes am Berg Sinai. Außerdem stehen in ihr Gesetze, Gebote und Lehren, die für den jüdischen Glauben und die jüdische Praxis grundlegend sind, sie dient also als Grundgesetz des jüdischen Lebens und bietet Orientierung in moralischen, ethischen und rituellen Fragen.

Für den Gebrauch im Gottesdienst ist die Tora in Form der Torarolle vorgeschrieben (also nicht als gebundenes Buch). Dies ist eine handgeschriebene Rolle aus Pergament mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Mose, die von einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, dem sogenannten Sofer, geschrieben wurde. Im Schabbat-Gottsdienst wird die Tora im religiösen Jahreszyklus gelesen, wobei dieses Lesen ein rezitativ-artiges Singen ist. Die Lesung des letzten Abschnitts des fünften Buches Mose und der Neubeginn der Lesung des ersten Abschnitts des ersten Buches Mose erfolgt an dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (hebräisch: Freude der Tora).

Der Tanach

Der Tanach, die hebräische Bibel, ist die zentrale Sammlung heiliger Texte des Judentums. Er enthält zum einen die Tora und zusätzlich die „Propheten“ (hebr. „newi’im“) und die Schriften (hebr. „ketuwim“).

Der Abschnitt der Newi’im (Propheten) umfasst die historischen und prophetischen Bücher. Er enthält Werke, die den Propheten wie Jesaja, Jeremia, Hesekiel und anderen zugeschrieben werden. Diese Bücher enthalten Prophezeiungen, historische Berichte und moralische Lehren.

Der Abschnitt der Ketuvim (Schriften) besteht aus verschiedenen Schriften, darunter Poesie, Weisheitsliteratur, historische Erzählungen und andere Texte. Einige bekannte Bücher in diesem Abschnitt sind Psalmen, Sprüche, Hiob, das Hohelied Salomos, Rut, Klagelieder, Prediger, Esther, Daniel, Esra, Nehemia und Chronik.

Die hebräische Bibel bildet die religiöse und kulturelle Grundlage des Judentums und hat auch andere abrahamitische Religionen wie das Christentum und den Islam beeinflusst. Juden auf der ganzen Welt sehen sie als die maßgebliche Schrift an und studieren sie eingehend wegen ihrer religiösen, moralischen und historischen Bedeutung. 

Der Talmud

Der Talmud (hebr. „Belehrung“, „Studium“) ist neben der Tora das wichtigste Kompendium, d.h. Lehrbuch des Judentums. Es enthält die Tora erläuternden rabbinischen Schriften, d.h. die schriftliche Fassung der Lehre und der gesetzlichen Vorschriften des nachbiblischen Judentums. Der Talmud umfasst Regeln für das gesellschaftliche und familiäre Zusammenleben (z.B. Steuer-, Zivil- und Strafrecht, Ehe- und Familiengesetzgebung, Krankheit und Hygiene, Opfer- und Schlachtbestimmungen sowie Reinheitsbestimmungen, etc.).